2 guys, 4 weeks, 4000 miles from home

Wednesday, July 19, 2006

Chicago Heat



































Sonntag morgen ließen wir uns von Baba und Jay zum Bahnhof fahren, nahmen Abschied und saßen die vier Stunden Zugfahrt nach Chicago aus.

In der riesigen Union Station angekommen nahmen wir zunächst ein Taxi zu unserer Herberge, dem edlen Howard Johnson Inn, das sich seine zwei Sterne hart verdient hat. Da wir zu früh waren, ließen wir nur unser Gepäck an der Rezeption und brachen unsererseits auf, um die verbleibenden drei Stunden bis zum Check-In totzuschlagen. Nur einen Block von unserer Bleibe grinsten uns die goldenen Bögen an. McDonalds hat hier einen riesigen Edelmäcces mit Rolltreppe, Aufzug und Lounge im oberen Geschoß hingesetzt, zu Ehren eines verstorbenen Geschäftsführers. Dort nahmen wir einen kleine Stärkung zu uns und orientierten uns kurz mit Hilfe der am Bahnhof geklauten Stadtkarten. Wir stellten fest, daß die Michigan Avenue, von Baba als DIE Einkaufsmeile Chicagos gepriesen, nur ein paar Blocks weiter war. Tatsächlich reiht sich hier ein Edelladen an den anderen. Wir schwelgten im Konsumparadies und kühlten uns in dem ein oder anderen Laden ab, da es in Chicago um die 100° Fahrenheit hatte, was wohl so 38° Celsius sind. Schwitzend marschierten wir die Avenue ab, liefen zurück zum Inn und bezogen unser Zimmer. Dort erholten wir uns ein wenig, führten unseren Körpern literweise Wasser zu und wechselten T-Shirts, die inzwischen an den Kontaktstellen zu den Rucksäcken gnadenlos durchgeschwitzt waren.

Wir hatten auf der Michigan Avenue unterhalb des Tribune Towers ein kleines Museum zum First Amendment der amerikanischen Verfassung gesehen, in welches ich Bu jetzt schleppte. Also ließen wir uns dort davon überzeugen, wie toll die amerikanische Verfassung und Amerika überhaupt ist und daß wir unbedingt für die Erhaltung unserer Freiheiten kämpfen sollten. Alles war sehr kindgerecht und stark vereinfacht, so daß wir zwar beim Knöpfedrücken viel Spaß hatten, aber die große Erleuchtung irgendwie ausblieb.

Vor dem Museum stehend warfen wir einen Blick auf unsere Karte und sahen, daß wir nur einige Blocks vom Navy Pier entfernt waren, einer Vergnügungsmeile auf einer Mole, die sich etwa einen Kilometer hinaus auf den Lake Michigan erstreckt und uns von Esther empfohlen worden war. Die Wunder des Piers bestaunend marschierten wir bis zum Ende, warfen am Marketplace einen Burrito und unglaubliche leckere "Vanilla Chocolate Chip Cookie Dough"-Eiscreme bzw. eine Waffel voll Softeis ein. Nach dem weiten Heimweg schauten wir halbtot und verschwitzt noch die letzte Hälfte von Forrest Gump und fielen dann in einen tiefen, traumlosen Schlaf.

Am nächsten Morgen stellten wir ohne großes Bedauern fest, daß wir die Übernachtung OHNE Frühstück gebucht hatten. Gefuchst, wie wir sind, checkten wir aus und ließen unser Gepäck wiederum an der Rezeption stehen. Unauffällig begaben wir uns in den Buchladen an der Michigan Avenue, den wir am Sonntag gefunden hatten, wälzten dort die Chicago-Reiseführer und nahmen im hauseigenen Café ein kleines Frühstück ein.

Vor der Tür des Buchladens waren wir gerade dabei, uns zu orientieren, als ich auf dem Schild der Bushaltestelle las, daß von hier ein Schnellbus zum Museum of Science and Industry abfährt. Da wir ohnehin dorthin wollten, sprangen wir in den Bus, der zwei Minuten später dort hielt. Nach einer Viertelstunde fahrt kamen wir im Museum an, das uns von Jay und Baba wärmsten Empfohlen worden war. Tatsächlich gab es hier Räume zu vielen Themen, die meisten davon leider auch kindgerecht aufbereitet. Naja, Knöpfe drücken macht halt Spaß! Die größte Attraktion des Museums, das deutsche U-Boot U-505, war leider nur gegen saftige Gebühr von innen zu besichtigen, was wir uns dann doch sparten, obwohl es sicher sehr interessant gewesen wäre.

Allein um die anderen Räume zu durchlaufen, was völlig ausreichte, da die Themen eh nur oberflächlich behandelt wurden, brauchten wir einige Stunden. Hier könnt ihr euch alles angucken:

Auf dem Rückweg versuchten wir auf das Skydeck des Sears Tower zu kommen, doch die die 12$ Gebühr, nur, um aufs Dach zu fahren, waren uns dann doch zu dreist. Stattdessen gingen wir in eine benachbarte Pizzeria, um uns den Bauch vollzuschlagen.
Hier setzten wir uns gegen den Willen der Bedienung durch bestellten statt einer Medium-Pizza zwei Small-Pizzen, plus Mozarella-Sticks zur Vorspeise. Es war unser Waterloo. Mit großer Anstrengung und unter Qualen schafften wir drei bzw. vier von je sechs Pizzastücken. Wir hatten gekämpft, wir hatten gelitten, aber schließlich mussten wir die Niederlage vor der Bedienung zugeben, die ihr hämisches Siegesgrinsen hinter einer geheuchelten Fassade von Höflichkeit zu verstecken wusste. Mit vollen, prallgespannten Bäuchen, in der Hitze fast den Völletod sterbend, fuhren wir busweise zurück zum Inn, holten unser Gepäck und ließen unsere aufgedunsenen Körper per Taxi vor den Bahnhof karren.

Dort mussten wir feststellen, daß unser Zug, der Lakeshore Express, mit Maschinenschaden eine Stunde in Reparatur festsaß. Im Zug selbst war es eigentlich ganz gemütlich, die Sitze ließen sich nach hinten lehnen, so daß man eigentlich hätte schlafen können, hätte nicht der dickwanstige Ire neben uns so abartig laut geschnarcht. Die Fahrt, die eigentlich 15 Stunden hätte dauern sollen, verlängerte sich, da wir andere Züge vorbeilassen mussten, auf schlussendlich 18 Stunden.

Am Bahnhof in Albany liefen wir dann erstmal professionell an Tante Geeta vorbei, aber meine Oma stand hilflos in der Bahnhofshalle herum, die erkannte ich sofort, und sie mich. So kamen wir doch noch in Massachusetts an.

Nachdem wir uns im Haus eingefunden hatten, ließen wir uns von Tante Geeta das Grundstück zeigen, uns von ihr, dann von meinen Cousin Joshua und schlussendlich von Onkel David, als er von der Arbeit kam, belabern. Schließlich zogen wir uns erschöpft in unsere Betten zurück.

Unser letzter Tag in Michigan











Unser letzter Tag mit Baba und Jay war ein Samstag, was bedeutet, daß beide frei hatten. Das heiße sonnige Wetter, auf das wir am Vortag vergeblich gewartet hatten, war da.

Vormittags musste Baba noch ein wenig an ihrem Laptop arbeiten und Onkel Jay mit seinem kleinen Trecker Teile seiner wuchernden Wiesen mähen. Bu und ich nutzten die Zeit, um unsere Koffer zu packen und unserer Lieblingsbeschäftigung, dem Rumgammeln, nachzugehen. Von der Veranda aus, mit Beerhuggern und Büchern in der Hand und faul auf unseren Hintern sitzend konnten wir Onkel Jay wunderbar beim Arbeiten zusehen.

Als beide mit ihren Arbeiten fertig waren, packten wir alle unsere Badesachen und auf gings an den See. Diesmal hatten wir ja Käpt'n Jay dabei, also durfte er sich mit dem Motor herumplagen (der sich zum Beispiel partout nichtmehr aussschalten lassen wollte).

Wir fuhren den ganzen Tag auf dem See herum, gingen schwimmen, holten uns an einem Pub am Seeufer Pizza, die wir dann auch auf dem Pontoon futterten.

Nach soviel schwimmen fielen wir dann abends einfach nur noch in unsere Betten. Ein krönender Abschluß auf jeden Fall für unsere Zeit in Michigan.